Die „Zwölften“ oder „Wolfsnächte“, wie die Nächte zwischen Weihnachten und Heilig Drei Könige auch genannt werden, sind eine ganz besondere, magische und geheimnisvolle Zeit, in der die Natur stillzustehen scheint. In ihnen wurde nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, wahrgenommen und in der Gemeinschaft gelebt.

Die Raunächte gehen immer von Nacht zu Nacht. Also von 24.00 Uhr an Heilig Abend bis 24.00 Uhr am 25. Dezember – das war die erste Raunacht. Im keltischen Jahreskreis befinden wir uns in der Jahresnacht – daher der Begriff „Nacht“. Und die letzte Raunacht endet am 5. Januar um 24.00 Uhr. Es gibt jedoch auch Variationen.

Bei manchen beginnen die Raunächte am 21. Dezember, in der Thomasnacht. Die Anzahl der Raunächte kann variieren, genauso wie lange eine Raunacht geht. Es ist eine Frage der Wahrnehmung. Manchmal spürst du, dass eine Raunacht 2 Tage geht und einen größeren Zeitraum einnimmt. Die Zeitqualitäten sind oftmals außerhalb unserer normalen  Zeit.

Die Raunächte ist eine magische Zeit. Schauend, bereit sich zu öffnen, verweilend, innehaltend, einatmen, ausatmen, bei Dir sein, mit Dir sein. Zeit für Rückzug, ausruhen und besinnen. Er-ahnen liegt in der Luft, Inneres verschafft sich sanft Gehör. Was nimmst Du wahr?

Es ist in dieser Zeit der äußeren Unruhe wichtig, Dir einen äußeren und inneren Rückzugsplatz zu schaffen. Gestalte Dir für die Zeit der Raunächte einen Kraftplatz, an dem Du Stille findest.

Wenn Du mich schon ein wenig kennst, dann hast Du bestimmt mitbekommen, dass sich meine Rituale oftmals draußen abspielen. Deshalb ermutige ich Dich, während der Raunächte so oft wie möglich in die Natur zu gehen. Konzentriere Dich ganz auf die Natur. Regnet oder schneit es? Ist es windig oder windstill? Nimm die Sonne, den Mond und die Sterne wahr.  In dieser Zeit sind wir sehr empfänglich, dünnhäutig und sehr gefühlsbetont. Nimm Deine inneren Prozesse wahr! In keiner Zeit des Jahres gelingt es besser, tiefer mit Deinem Inneren in Kontakt zu treten, zu meditieren und Dich mit den wichtigen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen, Dich neu zu orientieren und Kraft zu schöpfen.

Halte Deine Erfahrungen und Wahrnehmungen in einem Tagebuch fest. Es wird Dir ein treuer Begleiter auf Deiner inneren Reise sein. Und wenn Du dann während des kommenden Jahres ab und zu mal darin blätterst, wirst Du überrascht sein, was sich Dir während der Raunächte alles gezeigt hat. Vielleicht wirst Du nicht alles sofort begreifen, aber die Wahrheit zeigt sich Schritt für Schritt.

Deine Absicht während der Raunächte ist wichtig

Sei Dir klar über Deine Absicht! Wozu tust Du, was Du gerade tust? Damit Du wirklich Zeit für Deine Innenschau hast, schaffe Dir im Vorfeld ganz bewusst Deine „Zeitfenster“. Erlaube Dir, täglich eine Zeit für Dich frei zu halten – als kleine Ruhe-Oasen.

13 Wünsche für das kommende Jahr

Schreibe Dir vor Beginn der Raunächte 13 Wünsche auf je einen Zettel. Überlege Dir in Ruhe: was ist Dir wirklich wichtig? Was liegt Dir am Herzen? Was würde das kommende Jahr für Dich vollkommen machen?

Falte dann die 13 Zettel jeweils so, dass sie sich äußerlich nicht mehr unterscheiden. Gebe sie in ein Säckchen oder eine Schale. In jeder Raunacht, möglichst wenn es dunkel ist, gehe hinaus und ziehe einen der Zettel. Diesen übergibst Du nun der geistigen Welt, indem Du ihn in einer feuerfesten Schale verbrennst – ohne nachzusehen, welcher Wunsch das ist, um den sich jetzt höhere Kräfte kümmern werden. Schaue zu, wie das Papier in Rauch aufgeht. Bleibe ganz still dabei und achte darauf, was sich in Deinem Kopf oder Deinem Herzen bewegt. Übergebe die Asche der Erde und danke zum Abschluss den Elementen für ihre Unterstützung. Verfahre so 12x. Beginne am 25. Dezember. Am 6. Januar hast Du dann noch einen Zettel übrig. Nimm diesen feierlich hervor und entfalte das Papier. Und dann lies den Wunsch, um den Du Dich im gerade anbrechenden Jahr  selbst kümmern darfst, wenn er in Erfüllung gehen soll.

Zur Einstimmung für Rituale in der Natur – oder auch zu Hause (nach Kiesha Crowther)

Als Einstimmung in die Raunächte bzw. wann immer Dich Dein Gedankenkarussell gefangen hält, kannst Du folgende Meditation machen. Zusätzlich tankst Du Dich mit Erdenergie auf. Die folgende Übung ist sehr einfach, jedoch sehr kraftvoll. Sie kann Dir dabei helfen, Schmerzen loszulassen, Deinen Kopf frei zu bekommen, ja, ich habe auch schon mehrmals erlebt, dass die Menschen danach eine intensivere Wahrnehmung haben.

Diese Übung ist eine kraftvolle Möglichkeit, das loszulassen, was Dich behindert oder Dir Sorgen bereitet, und Dich mit der Quelle allen Lebens zu verbinden. Geh hinaus in die Natur und finde einen Platz, an dem Du Dich aufladen möchtest. Du kannst diese Übung auch im Haus machen.

Du kannst die Übung im Stehen oder im Sitzen machen. Sei achtsam, wenn Du sie im Stehen machst, denn manchen Menschen wird es dabei schwindelig.

Schaue, dass Du gut stehst oder sitzt. Nimm ein paar tiefe Atemzüge und spüre die Erde unter Deinen Fußsohlen bzw. Deinem Becken. Stelle Dir vor, dass Wurzeln aus Deinen Fußsohlen bzw. Deinem Becken wachsen, die sich tief in die Erde eingraben. Über diese Wurzeln bist Du mit all dem verbunden, was uns am Leben erhält.

Beginne nun, die Erdenergie in Dich aufzunehmen. Stell sie Dir in einer Farbe vor oder vielleicht wie einen Baum, der den Saft aus der Erde nach oben pumpt. Wenn Du stehst, beginne bei Deinen Fußsohlen. Wenn Du sitzt, beginne mit Deinem Becken.

Atme die Erdenergie durch Deine Fußsohlen ein. Fühle, wie diese Erdenergie Deine Zellen erfüllt und jeden Zentimeter in Dir nährt. Mit dem ersten Einatmen lass die Energie bis zu Deinen Knien aufsteigen, dann atme sie nach unten aus Deinen Fußsohlen in die Erde hinein aus.

Beim zweiten Einatmen lass diese Energie bis zum unteren Ende Deines Beckens aufsteigen (1. Chakra) und atme sie zurück in die Erde hinein aus. Fühle dabei, wie sie Deine Schenkel umhüllt, Deine Knie, Deine Fußgelenke und wie sie durch deine Füße hinausströmt. Wenn Du Schwierigkeiten hast, Dich mit irgendeinem Bereich Deines Körpers zu verbinden oder die Energie dort zu spüren, lass die Energie mit mehreren Atemzügen bis dorthin aufsteigen, bis Du bereit bist, weiterzumachen.

Beim dritten Einatmen bringe die Energie bis in Deinen Unterbauch, etwa unterhalb des Nabels (2. Chakra). Lass sie nun zurück in die Erde fließen. Achte darauf, jeden Bereich Deines Körpers zu spüren, wenn Du die Energie nach unten fließen lässt. Husche nicht über irgendetwas hinweg, sondern visualisiere und fühle, wie die Energie nach unten fließt und Deine Glieder, Deine Muskeln, Dein Blut, Deine Knochen und Deine Zellen erfüllt.

Beim vierten Einatmen lass die Energie bis zu Mitte deines Leibes aufsteigen (3. Chakra) und fühle, wie sie Deinen Solarplexus durchdringt und in ihm kreist. Viele Menschen tragen in diesem Bereich, der mit unserer Willenskraft und unserm Selbstgefühl zu tun hat, unterdrückte Emotionen mit sich herum. Vielleicht musst Du in diesen Bereich mehrmals hineinatmen. Lass die heilende Erdenergie sanft in Deinen Bauch öffnen und Anspannungen lösen, in denen Du alte Energien und Ängste festhälst. Wenn Du Dich entspannt und offen fühlst und sich eine Wärme in diesem Bereich ausbreitet, weißt Du, dass Du weitermachen kannst.

Beim fünften Ausatmen lass die Energie bis zu Deiner Brust aufsteigen (4. Chakra) und fühle, wie sie Dein Herz umhüllt und durchdringt. Fühle, wie sie Deinen Brustkorb und Deine Lungen erweitert. Im Herzen sitzen viele alte Emotionen und oft auch tiefe Verletzungen. Lass Mutter Erde diesen Ort in Dir sanft berühren. Atme so oft hierhin, wie es nötig ist, bis sich dort einer Wärme ausbreitet und dieser Bereich sich entspannt und öffnet.

Lass, was immer Du festgehalten hast, es in die Erde los, lass es durch Deine Fußsohlen hinab in die Erde abfließen. So wie eine Mutter keinen Schaden daran nimmt, wenn sie ihre Kinder tröstet und deren Kummer auf sich nimmt, so leidet Mutter Erde auch nicht, wenn Du Dich mit ihr auf diese Weise verbindest.

Beim sechsten Einatmen lass die Energie bis zu Deiner Kehle aufsteigen (5. Chakra) und fühle, wie sie diesen Bereich öffnet, der mit Deiner Stimme und mit dem Ausdruck Deiner Wahrheit zu tun hat. Dann atme die Energie wieder hinab und in die Erde.

Beim siebten Einatmen lass die Energie bis in die Mitte Deiner Stirn aufsteigen (6. Chakra oder Drittes Auge). Fühle, wie dieser Teil von Dir, der mit dem spirituellen Sehen, mit höherer Wahrnehmung und Intuition zu tun hat, geöffnet, sanft liebkost und mit Mutter Erde verbunden wird. Atme wieder zur Erde hinab aus.

Beim achten und letzten Ausatmen lass die Energie bis nach oben zu Deiner Schädeldecke aufsteigen (7. Chakra, Kronenchakra) und fühle, wie sich Dein Kopf nach oben hin für spirituelle Führung und kosmisches Licht öffnet. Fühle, wie die Energie von Mutter Erde diesen Bereich von Dir sanft durchdringt und öffnet und Dich damit als ein Kind der Erde und des Kosmos in der Verbindung von Erde und Himmel verankert. Erfülle Dein Gesicht, Deinen Schädel, Dein Gehirn, Deine Drüsen und Dein Haar mit dieser grünen, nährenden Energie, die Dich mit allem Leben verbindet.

Beim letzten Ausatmen atme die Energie Deine Arme hinab und aus Deinen Handflächen hinaus zurück in die Erde. Damit schließt sich der energetische Kreis. Jetzt bist Du mit dem verbunden, was Dich am Leben erhält, was immer für Dich da ist. Diese potente grüne Lebenskraft kann Dir helfen, Dein ganzes Wesen zu heilen, neu zu beleben und auszugleichen.

Beende Deine Übung, indem Du Dich bei Mutter Erde bedankst.

Rituale durchführen

Die Zeit der Raunächte ist eine dunkle Zeit. Doch in der Dunkelheit werden unsere feineren Sinne umso aktiver und ermöglichen es uns, Einblicke in die Welt jenseits der sichtbaren Welt zu nehmen. Es gibt zahlreiche Bücher mit unterschiedlichen Ritualen.

Für mich sind die Raunächte eine Zeit, in der ich mir Zeit nehmen, der Weisheit meines Herzens zu lauschen. Deshalb ermutige ich Dich, Dich zu trauen, Dich wieder zu spüren. Vertraue Deinen Körpersignalen. Dein Körper sagt Dir, was gerade Deine persönliche Wahrheit ist. Erinnere Dich an die spontane Selbstverständlichkeit, die Du als Kind hattest. Forsche und nehme auf Deine Art und Weise wahr. Finde für Dich eine Struktur. Rituale haben immer einen Beginn, eine Mitte und einen Abschluss. Zum Beginn kläre Deine Absicht, entzünde die Kerze und räuchere. Dann kommt der Mittelteil, der Teil in dem Du Dir z.B. eine bestimmte Frage stellst, um etwas bittest oder vielleicht etwas segnen möchtest. Zum Schluss blase die Kerze wieder aus, mit der Bitte, dass es gut weiterwirkt. Was immer geschehen ist, danke dafür. Achte während der Raunächte auch auf Deine Träume und tiefsten Wünsche und Bedürfnisse. Halte Deine Augen und Ohren besonders weit geöffnet.

Das Traumtagebuch

Während der Raunächte lohnt es sich besonders, ein Traumtagebuch zu führen. Allein schon die Absicht, das Geträumte aufzuschreiben, verbessert die Traumerinnerung oft enorm. Schreibend fällt es außerdem leichter zu erkennen, um welches Thema es geht.

Ein Traumtagebuch zu führen ist einfach. Der erste Schritt besteht darin, dass Du Dir wirklich vornimmst, Dich am nächsten Morgen an die Träume der vergangenen Nacht zu erinnern. Der zweite, dass Du Dir einen Notizblock sowie einen Stift auf Dein Nachtkästchen legst. Stelle Dir außerdem ein Glas Wasser auf Dein Nachtkästchen. Vor dem Einschlafen trinke ein halbes Glas Wasser. Das bewirkt, dass Du wahrscheinlich früher zur Toilette gehen musst. Danach trinke das Glas leer. In der Phase danach, bis zum eigentlichen Aufwachen, träumen wir meist noch einmal sehr intensiv. Sobald Du am Morgen aufwachst, solltest Du noch für einen Moment im Bett liegen bleiben. Atme ruhig und entspannt, und frage Dich ganz konkret: „Was habe ich geträumt? Wo war ich gerade?“ Versuche dann, soviel wie möglich zu notieren. Dabei genügen ein paar Stickpunkte oder Traumfragmente. Achte vor allem auf Gefühle und Stimmungen. Wenn Du Dich an bestimmte Bilder, Szenen oder Begegnungen erinnerst, dann schreibe schnell alles auf, ohne Dich auf die Details zu konzentrieren. Schaue, ob vielleicht interessante Botschaften für Dich darin verborgen sind.

Was Du Dir für die Raunächte vielleicht zurechtlegen möchtest:

  • eine schöne große Kerze, die Du zu den Ritualen immer anzündest
  • Samenkörner, Sonnenblumenkerne oder Nüsse, um den Naturwesen zu danken
  • Räucherwerk zum Reinigen
  • Dein Traumtagebuch

Von ganzem Herzen wünsche ich Dir eine magische Raunachtzeit.

Deine Christine Grabrucker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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