Wie L. Denz vom Hochschwarzwaldkurier das NaturCoaching bei mir erlebt hat:

Naturcoaching in Menzenschwand

Nicht gesucht und doch gefunden
Natur pur – das bietet nicht nur der Hochschwarzwald an sich, sondern auch Coachings und Workshops. Ein Selbstversuch…

Von Luisa Denz

Der Wunsch nach Einkehr in sich selbst, die Suche nach Ruhe und das Bedürfnis nach Kraft waren wohl niemals so hoch wie heute. Kein Wunder also, dass man sich auch im Hochschwarzwald an diesem Trend orientiert und es inzwischen zahlreiche Angebote gibt, die diese Wünsche erfüllen möchten. Gerade der Ur-Hochschwarzwälder als solcher belächelt diese gerne und so reißen die Witze um Waldbaden und Co. nicht ab. Obschon ich mich ohnehin als naturverbunden bezeichnen würde, hat mich das Thema interessiert und so begab ich mich am vergangenen Wochenende zum Naturcoaching nach Menzenschwand. Im Gepäck nichts als mich und gespannte Laune …

Aller Anfang ist schwer

Bestückt mit entsprechender Kleidung und natürlich auch einer gewissen Erwartungshaltung, traf ich auf Christine Grabrucker, ihres Zeichens Naturcoach und Wildnispädagogin. Gemeinsam ging es in den Wald und derweil ich munter drauf los plapperte und schnellen Schrittes hechelte, punktete meine Begleiterin mit ruhiger Atmung, wenigen Worten und einem entspannten Gesamteindruck. „Kein Wunder“, dachte ich innerlich, „SIE weiß ja, was gleich passieren wird“. Je weiter es bergauf Richtung der sonnigen Menzenschwander Bergkuppen ging, desto weniger sprach auch ich, nicht nur aufgrund der fehlenden Puste, sondern weil Christine Grabrucker eine Ruhe ausstrahlte, die sich nach und nach auf mich übertrug. Auf der ersten Anhöhe lud mich Christine zu einer Meditation ein und aus ihrem Rucksack tauchten zwei Sitzkissen auf. „Ohje, das wird vorbeilaufende Wanderer ja erheitern“, dachte ich und schimpfte mich im gleichen Atemzug, denn immerhin war ich ja hier, weil ich mich darauf einlassen wollte. Nur wenige Sekunden, nachdem ich mich mitten in den Wald gesetzt hatte, merkte ich, wie mein Körper herunterfuhr, ich lauschte Christines Stimme, nahm wahr, wie sich der Wald um mich und ich mich mittendrin anfühlte und stellte fest: Gut!

Mit allen Sinnen

Noch immer kam der Arbeitsauftrag, den ich vor Beginn des Abenteuers erhalten hatte, nicht zur Sprache. Ein Thema, über das man Klarheit haben möchte, sollte im Vorfeld überlegt werden. Wir liefen schweigend weiter und es folgte eine Etappe des Wahrnehmens, des munteren und vor allem kindlichen Erfassens dessen, was der Wald mir zu bieten hatte. Ich bemerkte hierbei, dass ich mir all das, was ich sah, gleich erklärte und schalt mich innerlich, die eigene Stimme einmal runterzudrehen. Auf das Wahrnehmen folgte das Hören. Gemeinsam saßen wir wiederum mitten im Wald und ich lauschte mit geschlossenen Augen dem, was der Wald zu erzählen hatte. Dem seichten Plätschern des Baches, dem leisen Knistern der herabfallenden Blätter, aber auch den lärmenden Motoren der in der Ferne fahrenden Motorräder. Nichts davon nervte.

Alles fügte sich ineinander und erklang als stimmige Melodie des Waldes. Der Aufforderung, die Augen wieder zu öffnen, folgte ich fast schon wiederwillig, zu spannend war das Hören, denn wie ich zu meiner positiven Überraschung feststellte: es erfolgte ohne Wertung. In der nächsten Etappe ging es um das Ertasten, ich wurde aufgefordert, mir etwas zu suchen, das mich anzog und landete bei einem morschen Stück Holz, in Gedanken versunken spielte ich damit herum und als Christine mich nach meinem Thema fragte, erschien auf einmal eines, mit dem ich für diesen Tag überhaupt nicht gerechnet hatte. Die Worte dazu flossen mir nur so über die Lippen und ich stutzte innerlich, denn eigentlich hatte ich mir ein etwas seichteres Thema für dieses Coaching überlegt. Noch immer unbewusst mit dem Holzstück spielend, bemerkte ich, wie meine Erzählung eine Brücke zu dem schlug, was ich dort in der Hand hielt. Es passte. Ein besseres Sinnbild, als dieses Stück morsche Holz, das ich zwischenzeitlich in saubere Einzelteile zerlegt hatte, hätte ich niemals finden können.

Christine ließ mich mehrheitlich erzählen und fragte nur selten ruhig nach, derweil sie mich aufforderte, mir einen Platz zu suchen, der mich ebenfalls anzog. Ich landete vor einer Wurzel und entdeckte auch hier wieder eine Parallele zu meinem Thema und lachte innerlich. „Ein schöner Eso bist du da – sitzend im Wald mit einer Wurzel und Tränen im Auge.“ Doch ich kam nicht umhin, mir selbst einzugestehen, dass ich selten so tief in mich selbst vorgedrungen war. Als ich meine Blicke schweifen ließ, entdeckte ich vor mir einen Baum und so seltsam es klingen mag, ich erkannte in ihm, wo die Reise hingehen soll. Ganz klar, ganz einfach.

Klarheit

Mit ruhiger Stimme erhielt ich noch ein paar Tipps, wie ich dem Thema weiter nachgehen solle – unaufdringlich und schlicht. Und so befand ich mich abschließend auf einer Bank, mitten im Menzenschwander Wald mit einer Erkenntnis, nach der ich nicht mal so wirklich gesucht hatte, von der ich jedoch instinktiv spürte, dass sie richtig ist. Erst ein Blick auf die Uhr offenbarte, dass dieser Vorgang doch einige Stunden in Anspruch genommen hatte. Umso dankbarer war ich für den Müsliriegel und das Wasser, das Christine für uns mitgenommen hatte. Ruhig, aber innerlich sehr leicht, ging es zurück und ich stellte für mich selbst fest: Es ist ein Unterschied, ob man mit seinen Gedanken rastlos durch die Wälder saust, oder ob man bewusst innehält. Für dieses Innehalten ist es manchmal vonnöten, dass einen jemand dazu auffordert und zeigt, wie das gehen kann. So lautet mein Fazit in Sachen Naturcoaching: Probieren Sie es aus, Sie werden erstaunt sein, was es zu Tage bringen kann.

Mehr zum Thema unter www.naturwege-seelenpfade.de

Luisa Denz

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