Miriam hatte das Gefühl, sie müsse sich „bewegen“, wusste jedoch nicht wohinund fand ihr Herzblut

Das war die Ausgangssituation von Miriam, als sie zu mir zu einem Seelenraum-Coaching kam. Sie plagte das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Sie erlebte Stagnation auf allen Ebenen: im Job und in ihrer Beziehung zu ihrem Mann. Sie fühlte sich immer schlechter, ja manchmal sogar einsam. Ihre größte Herausforderung war, sich über Wasser zu halten, um nicht in eine Depression zu fallen.

Zusammen gingen wir dann in die Natur. Ich öffnete für Miriam einen heiligen, einen geschützten Raum, in dem sich genau das zeigen möge, was Miriam heute sehen darf. Um zunächst die Alltagsgeschichten hinter uns zu lassen, gingen wir beide ein Stückchen in Stille. Am Rande eines Waldstücks, neben einem Bächlein fanden wir einen Platz, an dem wir noch mehr eintauchten in die Welt. Mit Hilfe einer Meditation verband ich Miriam mit Mutter Erde und ihrem Herzen. Miriam konnte sich öffnen und erlaubte sich, sich mit ihrer Seele, ihrer wahren Essenz zu verbinden. Dabei spürte sie tiefe Liebe, eine Liebe, die sie so schon lange nicht mehr spürte.

Nach der Meditation gingen wir nochmals auf ihr Thema ein, um die Frage zu konkretisieren. Dabei stieg plötzlich Schmerz in ihr hoch und die Tränen kullerten. Es war ein tiefer Schmerz, der jetzt an die Oberfläche kam, ein Schmerz der schon seit Jahren in ihr schlummerte.

Es ist wichtig, dass die Menschen die Emotion, die hinter einem Thema steckt, nochmals durchlebt. Nur so können sie diesen Schmerz, die Trauer, die Angst, welche Emotion auch immer, hinter sich lassen. Sie erleben die Situation noch einmal, um das Geschenk darin zu erkennen.

So fand Miriam einen Platz in der Natur, der ihren Schmerz repräsentierte. An ihrem Platz waren Steine, ein Tännchen und eine ganz junge Tanne, die auf einem Stein wuchs. Miriam weinte. Sie empfand Schmerz mit dem Tännchen, dass sie so eingesperrt ist und sich verbiegen muss, um wachsen zu können. Als ich Miriam fragte, für welchen Teil in ihr das Tännchen stehe, antwortete sie mit: „für meine Seele“.

Was für ein Schmerz, wenn man erkennt, wie sehr man sich verbogen hat, um wachsen zu können.

Die Steine nahm Miriam als kalt und lieblos wahr. Sie hatte den Impuls, hier am Platz „aufräumen“ zu müssen, und so befreite sie die Steine und den Platz von den abgestorbenen Gestrüpp. Ich ließ sie gewähren. Als alles „Abgestorbene“ weg war, nahm Miriam mehr Ordnung wahr. Sie fühlte sich besser und hatte jetzt auch den Überblick. Ich lud Miriam ein, sich doch mal dem Tännchen zuzuwenden, das sie bis zu diesem Zeitpunkt im Rücken hatte. Jetzt konnte Miriam das Tännchen ganz anders „sehen“. Sie empfand es als sehr mutig, dass sich das Tännchen – ihre Seele – so durchsetzen konnte.

Jetzt konnte sie die Situation annehmen. Sie spürte, dass alles so sein darf. Auch hier an ihrem Platz, nahm sie wahr, dass alles so sein darf, wie es ist. Das Gestrüpp ist weg und die Farne werden wieder nachwachsen, wenn die Zeit kommt. Jetzt war es nicht mehr trostlos!!! Ich lud Miriam ein, sich nochmals dem Tännchen zuzuwenden, und zu spüren, was ist. Da fühlte sie Dankbarkeit für die Situation, die sich damals vor Jahren erlebt hatte, und die damals so viel Schmerz ausgelöst hatte.

Wenn wir erkennen, dass die Menschen in unser Feld treten, immer etwas mit uns zu tun haben, dann haben wir die Möglichkeit zu wachsen. Wir nehmen die Verantwortung wieder zu uns zurück. Wir erkennen und nehmen es an. So können wir wachsen.

Damals fühlte sich Miriam nicht gesehen. Sie fühlte sich nicht gesehen von den Menschen, die damals diesen Schmerz auslösten. Das wirkte sich bis heute auf ihren Alltag aus. Auch heute noch erlebt sie, dass sie nicht „gesehen“ wird.

Ich fragte Miriam, was sie denn jetzt genau wieder „sehen“ könne (das Tännchen als Stellvertreterin), und sie antwortete: „mein Herzblut“. Miriam hatte jahrelang ihr Herzblut versteckt, um diesen Schmerz nicht ertragen zu müssen. Jetzt hat sie es wieder gefunden und spürte eine tiefe Liebe und Dankbarkeit. Jetzt spürte sie mit jeder Zelle ihres Körpers, wohin sie sich „bewegen“ möchte: zu ihrem Herzblut.

Erst durch die Erfahrung erlangen wir eine wahre Erkenntnis!

Miriam sagte mir danach, dass sie das eigentlich wusste, aber sie hat es noch nie gespürt. Erst durch diese tiefe Erfahrung ist es jetzt für sie möglich geworden, die Situation anzunehmen. Etwas annehmen bedeutet nicht, etwas für gut zu heißen. Es bedeutet, dass wir die Verantwortung zu uns nehmen und erkennen, was wir aus der Situation lernen dürfen. Wenn wir den Widerstand aufgeben und die Verantwortung wieder zu uns nehmen, dann bleibt auch die Kraft, die Energie bei uns. Dann bleiben wir handlungsfähig. Solange wir Widerstand leisten, fühlen wir uns ohnmächtig. Wir verlieren dabei unsere Kraft.

Miriam hat jetzt eine neue Ausgangssituation. Sie hat ihre Kraft und Klarheit wiedergefunden und kann jetzt damit ihre Zukunft neu gestalten.

Weitere Informationen:

Im Spiegel der Natur – das Gesetz der Resonanz